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Gesünder nach der Psychotherapie? Sekundärdatenanalyse der Arbeitsunfähigkeitszeiten vor und nach ambulanter Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierter und analytischer Psychotherapie

Einleitung Arbeitsunfähigkeitszeiten gelten als guter Indikator für den Krankenstand der berufstätigen Bevölkerung. In dieser Studie wurde untersucht, wie sich die Arbeitsunfähigkeitszeiten (AU) im Jahr nach dem Ende der Psychotherapie im Vergleich zum Einjahreszeitraum vor Beginn der Therapie verändern. Dabei wurden 3 sozialrechtlich anerkannte Therapieverfahren (Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie) miteinander verglichen.
Material und Methoden Die Untersuchung wurde mit pseudonymisierten Daten der AOK Niedersachsen (N=2 900 065 Versicherte) durchgeführt. Ärztlich attestierte AU-Zeiten vor und nach der Psychotherapie wurden für Patientinnen und Patienten (N=9 916) verglichen, die eine der 3 sozialrechtlich anerkannten Therapieverfahren durchliefen. Außerdem wurde eine parallelisierte Kontrollgruppe (KG) gebildet, um Vergleiche mit Personen ohne Psychotherapie zu ermöglichen. Die Untersuchungen wurden nach Geschlecht stratifiziert.

Ergebnisse Psychotherapiepatienten weisen im Jahr vor Beginn der Therapie mehr AU-Tage auf als die parallelisierte KG. Im Vorher-Nachher-Vergleich hat sich die Zahl der AU-Tage bei Psychotherapiepatienten von 20 auf 12 verringert. Bei Patienten, die eine Verhaltenstherapie oder eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie durchliefen, hat sich die Anzahl fast halbiert. Dieses Ergebnis ließ sich nicht auf die analytische Psychotherapie übertragen.
Diskussion Neben dem zentralen Ergebnis der Reduktion der AU-Tage für den Großteil der Psychotherapiepatienten deckte die Analyse der AU-Zeiten vor und nach durchlaufener Psychotherapie eine Besonderheit der Patienten der analytischen Psychotherapie auf. Diese zeigten bereits vor Beginn der Therapie deutlich weniger AU Tage und nach der Therapie keine wesentliche Veränderung im Gegensatz zu anderen Psychotherapiepatienten. Sie waren zudem etwas jünger und hatten einen höheren Berufsbildungsabschluss. Fragen zur (Selbst-)Selektion von Patienten mit besserem Gesundheitszustand zu analytischer Psychotherapie werden diskutiert.

Schlussfolgerung Patienten der analytischen Psychotherapie unterscheiden sich hinsichtlich der mittleren Dauer der Arbeitsunfähigkeit wie auch hinsichtlich ihrer soziodemografischen Zusammensetzung von Patienten der beiden anderen Therapieverfahren. In der Psychotherapieforschung muss aufgrund unterschiedlicher Patientenprofile immer nach Psychotherapierichtung unterschieden werden.

Thieme E-Journals – PPmP – Psychotherapie · Psychosomatik · Medizinische Psychologie / Abstract

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